Lutein, Zeaxanthin und Omega‑3 bei hoher Bildschirmzeit:

Was junge Augen wirklich schĂĽtzt

Im Praxisalltag zeigt sich immer deutlicher: Junge Erwachsene verbringen oft 8 Stunden und mehr täglich vor Bildschirmgeräten. Diese Dauerbelastung durch kurzwellige (blaue) Strahlung kann langfristig oxidativen Stress in der Netzhaut fördern und das Risiko für spätere Sehstörungen erhöhen. Ein aktuelles, großes Studienprotokoll aus China beschreibt nun sehr detailliert, wie gezielte Nährstoffsupplementierung hier präventiv ansetzen soll: mit Lutein, Zeaxanthin und Omega‑3‑Fettsäuren.​

Was untersucht die LZO‑Studie?

Die LZO‑Studie („Lutein, Zeaxanthin and Omega‑3“) ist eine 24‑wöchige, multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 600 jungen Erwachsenen, die seit mindestens zwei Jahren täglich über 8 Stunden digitale Geräte nutzen.​

Untersucht werden sechs Gruppen, die unterschiedliche Kombinationen erhalten:

Die Gruppen

Lutein (frei) oder Luteinester in verschiedenen Dosierungen

Lutein + Zeaxanthin

Lutein + Zeaxanthin + Omega‑3 (DHA + EPA)

Placebo

Die Supplemente werden zweimal täglich mit einer Mahlzeit eingenommen, über insgesamt 24 Wochen.​

Primärer Endpunkt:

  • Veränderung der Makulapigmentdichte (MPOD) – also der „Schutzfilter“ im Bereich der Makula.​

Sekundäre Endpunkte sind u.a.:​

  • Sehschärfe (ungekorrigiert und bestkorrigiert)

  • Kontrast‑ und Blendempfindlichkeit

  • Flimmerfusionsfrequenz (CFF, MaĂź fĂĽr neuronale Verarbeitungsgeschwindigkeit)

  • Reaktionszeit und „visuognostische Persistenz“ (AugenermĂĽdungstest)

  • Symptome und objektive Parameter des Trockenen Auges

  • Netzhautdicke (OCT) und optische Abbildungsqualität

  • Serumspiegel von Lutein/Zeaxanthin und Omega‑3 in den Erythrozyten

  • Veränderungen der Darmmikrobiota und genetische Einflussfaktoren​

Warum gerade Lutein, Zeaxanthin und Omega‑3?

Die Makula („gelber Fleck“) enthält hohe Konzentrationen der Xanthophylle Lutein und Zeaxanthin – das Makulapigment. Diese Pigmente:​

  • filtern energiereiches blaues Licht

  • neutralisieren freie Radikale

  • schĂĽtzen Photorezeptoren und das retinale Pigmentepithel vor photochemischem Schaden​

Bisherige Studien zeigen:

  • Lutein/Zeaxanthin können das Fortschreiten einer frĂĽhen AMD verlangsamen und Sehfunktionen verbessern.​

  • Bei Bildschirmnutzern wurden Verbesserungen von Kontrast‑ und Blendempfindlichkeit unter Luteinsupplementation beschrieben.​

Omega‑3‑Fettsäuren (DHA, EPA) sind Hauptbestandteile der Photorezeptor-Außensegmente und modulieren:​

  • oxidativen Stress

  • EntzĂĽndung

  • Gefäßneubildung (relevant fĂĽr AMD)​

Die LZO‑Studie möchte klären, ob die Kombination aus Makulapigment (Lutein/Zeaxanthin) und Omega‑3 synergistische Effekte auf Makulastruktur und Sehfunktion bei hoher Bildschirmbelastung hat.​

Besonderheiten dieser Studie

Aus augenärztlicher Sicht ist der Ansatz in mehreren Punkten bemerkenswert:

  • Zielgruppe: junge, hoch exponierte Bildschirmnutzer – also eine Gruppe, die in klassischen AMD‑Studien nicht vorkommt.​

  • Breiter Messansatz: von MPOD ĂĽber funktionelle Tests (Kontrast, Blendung, CFF, Reaktionszeit) bis hin zu OCT‑Morphologie und optischer Qualität.​

  • Präzisionsmedizin:

    • Genomweite Genotypisierung (SNPs in Carotinoid‑Transport/-Metabolismus)

    • Analyse der Darmmikrobiota per 16S‑Sequenzierung
      Ziel: verstehen, warum manche Menschen auf Supplemente stärker reagieren als andere.​

  • BioverfĂĽgbarkeit: direkter Vergleich von freiem Lutein vs. Luteinester in praxisnahen Dosen.​

Damit geht die Studie deutlich über „klassische“ Nahrungsergänzungstests hinaus und adressiert die Frage, wie personalisierte Ernährungsempfehlungen für die Augen künftig aussehen könnten.​

Was bedeutet das fĂĽr Bildschirmnutzer?

Auch wenn es sich noch um ein Studienprotokoll handelt (Ergebnisse stehen aus), lässt sich Folgendes ableiten:​

  • Lutein und Zeaxanthin gelten als sichere, gut untersuchte Mikronährstoffe, die sich gezielt in der Makula anreichern und dort als „internes Blaulicht‑Filter“ wirken können.​

  • Omega‑3‑Fettsäuren (insbesondere DHA) unterstĂĽtzen die strukturelle und funktionelle Integrität der Netzhaut.​

  • Bei hoher, langjähriger Bildschirmnutzung könnten solche Nährstoffe eine sinnvolle Säule einer präventiven Strategie zum Schutz der Makula darstellen – zusätzlich zu Pausen, Blendungsreduktion und guter Beleuchtung.​

Die LZO‑Studie wird voraussichtlich klären, ob:

  • Lutein allein ausreicht oder die Kombination mit Zeaxanthin ĂĽberlegen ist.

  • die zusätzliche Gabe von Omega‑3 messbare Zusatzvorteile fĂĽr Makulapigment und Sehfunktion bringt.

  • genetische Faktoren und Darmflora die individuelle Wirksamkeit beeinflussen.

Dr. SchĂĽttes Fazit

FĂĽr Patientinnen und Patienten mit hoher Bildschirmbelastung deutet die aktuelle Evidenz in eine klare Richtung:

  • Eine lutein‑ und zeaxanthinreiche Ernährung (grĂĽnes BlattgemĂĽse, Mais, Eigelb) und ausreichende Omega‑3‑Zufuhr -(fettreicher Seefisch, geeignete Supplemente) unterstĂĽtzt die langfristige Netzhautgesundheit.​

  • Nahrungsergänzungsmittel mit diesen Inhaltsstoffen können sinnvoll sein, sollten aber:

    • an die individuelle Situation angepasst

    • mit dem behandelnden Augenarzt besprochen

    • nicht als Ersatz fĂĽr augenärztliche Kontrollen verstanden werden.​

Die LZO‑Studie wird wichtige Bausteine liefern, um künftig fundierter und individueller beraten zu können, insbesondere bei jungen Erwachsenen mit „Digital‑Overuse“ der Augen.

Wang, L., et.al. (2024). Effect of supplementation with lutein, zeaxanthin, and omega-3 fatty acids on macular pigment and visual function in young adults with long-term use of digital devices: Study protocol for a randomized double-blind placebo-controlled study. Frontiers in Nutrition, 11, 1422468. https://doi.org/10.3389/fnut.2024.1422468